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Engagement gegen ausbeuterische Kinderarbeit

Fast 200 Millionen Kinder unter 15 Jahren arbeiten weltweit unter ausbeuterischen Bedingungen. In immer mehr Städten und Gemeinden gibt es inzwischen Beschlüsse, von öffentlicher Hand keine Produkte mehr aus ausbeuterischer Kinderarbeit zu kaufen.


Was ist ausbeuterische Kinderarbeit?

Nach der Definition der Internationalen Arbeitsorganisation ILO bedeutet ausbeuterische Kinderarbeit:

Auch in Sonthofen werden Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit verkauft. Ob Orangensaft, Tee, Kaffee, Kakao, Blumen, Fußbälle, Turnschuhe, Kleidung, Teppiche, Spielzeug oder Natursteine, in all diesen und vielen weiteren Waren kann Kinderarbeit stecken.


Beschluss des Stadtrates

Der Stadtrat Sonthofen fasste am 30.09.2008 folgenden Beschluss:

  1. Vom Bericht der Verwaltung wird Kenntnis genommen.

  2. Im Beschaffungswesen und bei Ausschreibungen der Stadt Sonthofen finden künftig nur noch Produkte Berücksichtigung, die ohne ausbeuterische Kinderarbeit im Sinne der ILO-Konvention 182 hergestellt wurden bzw. Produkte, deren Hersteller oder Verkäufer aktive zielführende Maßnahmen zum Ausstieg aus der ausbeuterischen Kinderarbeit eingeleitet haben.
    Dies ist durch eine Zertifizierung einer unabhängigen Organisation oder eine entsprechende Selbstverpflichtungserklärung nachzuweisen.

  3. Die Öffentlichkeit und die Geschäftspartner der Stadt Sonthofen sind über den Beschluss zu informieren. Der Eigenbetrieb Stadtwerke soll angeregt werden, entsprechend zu verfahren.

  4. Der Landkreis Oberallgäu und die Nachbarkommunen werden von der Stadt Sonthofen über den Beschluss informiert und gebeten, ebenfalls Beschlüsse in diesem Sinn zu fassen.

  5. Die Weiterverfolgung der Thematik wird der Projektgruppe Agenda 21/Umwelt übertragen, in der Mitglieder der Stadtratsfraktionen, der Verwaltung und der Zivilgesellschaft vertreten sind. Insbesondere gilt es, sich über den aktuellen Stand auszutauschen und Listen der betroffenen Produkte sowie der Herkunftsbereiche abzustimmen. Es werden auch abgegebene Verhaltenskodizes und Selbstverpflichtungserklärungen besprochen. Gegebenenfalls können falsche Angaben erkannt und damit verbundene Vertragsverstöße aufgedeckt werden.


Umsetzungsmaßnahmen der Stadt

Zur Umsetzung dieses Beschlusses hat die Stadt Sonthofen folgende Maßnahmen ergriffen:


Zertifizierungssiegel

Produkte mit einem anerkannten Siegel oder anerkannten Importorganisationen des fairen Handels werden nachweislich ohne ausbeuterische Kinderarbeit hergestellt. Für diese Produkte sind keine weiteren Nachweise erforderlich.

Zu Zeit sind dies folgende Siegel bzw. Organisationen:

Bei Produkten ohne ein entsprechendes Siegel oder von anderen Importeuren müssen die anbietenden Firmen einen Verhaltenskodex, eine Sozialklausel oder sonstige Selbstverpflichtung vorlegen, worin entweder bestätigt wird,

Die Selbstverpflichtungserklärung ist als Vertragsbestandteil in die Auftragsvergabe aufzunehmen bzw. muss von dem jeweiligen Handelspartner beim Einkauf vorliegen.


Machen die Maßnahmen Sinn?

Allen Beteiligten muss klar sein, dass durch die o.g. Maßnahmen ab sofort nicht ausgeschlossen werden kann, dass weiterhin Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit eingekauft werden. Aus der Erfahrung anderer Kommunen ist aber bekannt, dass viele Firmen und Händler diesem Thema sehr aufgeschlossen gegenüber stehen und bereit sind, gegen ausbeuterische Kinderarbeit vorzugehen.

Es geht also hautsächlich darum, in diesem ersten Schritt die Wirtschaft für das Thema sensibel zu machen und die Firmen zu stärken, die bereit sind, Maßnahmen gegen ausbeuterische Kinderarbeit zu ergreifen.